Die grosse Bauleistung der Luftbrucke: Der Flughafen Tegel wurde in rund 90 Tagen von 19.000 Berlinerinnen und Berlinern — uber 40 Prozent davon Frauen — im franzosischen Sektor aus dem Nichts errichtet. Seine 2.428 Meter lange Startbahn war die langste Europas, als im November 1948 die erste Maschine landete. Als zwei sowjetisch kontrollierte Sendemasten die Einflugschneise storten, liess der franzosische Kommandant Jean Ganeval sie sprengen. Tegel wurde spater mit seinem sechseckigen Terminal zum wichtigsten Flughafen West-Berlins, bis zur Schliessung 2020; heute wird das Gelande als Technologie- und Wohnquartier entwickelt.
Planierung der Start- und Landebahn wahrend des 90-tagigen Baus des Flugfeldes Tegel, 1948 (Foto: Public Domain)
Der Bau begann am 5. August 1948, auf dem Hohepunkt der Berlin-Blockade, als die beiden bestehenden Luftbrucken-Flugplatze — Tempelhof im amerikanischen und Gatow im britischen Sektor — das erforderliche Flugaufkommen nicht mehr bewaltigen konnten. Franzosische Militaringenieure leiteten die Arbeiten, wahrend 19.000 Berliner Zivilisten — viele von ihnen Frauen, die mit blossen Handen Trummer raumten — die Start- und Rollbahnen sowie die Entwasserung im Schichtbetrieb rund um die Uhr errichteten. Die 2.428 Meter lange Startbahn war die langste Europas, als am 5. November 1948 die erste C-54 Skymaster landete — nur 90 Tage spater.
C-47-Transportflugzeuge auf dem Vorfeld von Tegel wahrend der Berliner Luftbrucke (Foto: Public Domain)
Zwei sowjetisch kontrollierte Funkmasten in der Nahe der Einflugschneise gefahrdeten die anfliegenden Maschinen. Als diplomatische Proteste erfolglos blieben, liess der franzosische Kommandant General Jean Ganeval die Masten sprengen — angeblich informierte er die sowjetischen Behorden erst danach mit einer knappen Mitteilung. Nach dem Ende der Blockade im Mai 1949 wurde Tegel zunachst als Militarflugplatz weitergenutzt, bevor es zum zivilen Flughafen ausgebaut wurde. Das beruhmte sechseckige Terminal A, entworfen von den Architekten von Gerkan, Marg und Partner, wurde 1974 eröffnet und zum Symbol für West-Berlins Anbindung an die Welt. Tegel diente als Hauptflughafen der Stadt, bis es am 8. November 2020 nach der Eroffnung des Flughafens Berlin Brandenburg geschlossen wurde.
Das sechseckige Terminal A des Flughafens Tegel im Betrieb, 2013 (Foto: dronepicr)
Das 495 Hektar grosse Gelande wird nun in Berlin TXL umgewandelt, eines der grossten stadtischen Entwicklungsprojekte Europas. Das sechseckige Terminal, 2019 unter Denkmalschutz gestellt, wird zum Herzstuck der Urban Tech Republic — einem Forschungs- und Technologiecampus, auf den die Berliner Hochschule fur Technik umzieht, gemeinsam mit rund 1.000 Unternehmen. Das angrenzende Schumacher Quartier wird ein autofreies Wohnviertel mit etwa 5.000 Wohnungen; der Baubeginn ist fur 2026 geplant, die ersten Bewohner werden 2028 erwartet. Rund 190 Hektar des ehemaligen Flugfeldes werden zur Tegeler Stadtheide, einem Landschaftspark, der das offene Grasland und die geschutzten Arten bewahrt, die sich nach der Schliessung auf dem Rollbahngelande angesiedelt haben. Das alte Terminal ist wahrend der Sanierung derzeit nicht offentlich zuganglich.
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