Internationales Pressezentrum

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Internationales Pressezentrum

Kalter-Krieg-Ort   Anton-Wilhelm-Amo-Straße 36, 10117 Berlin  

Das Internationale Pressezentrum in der Mohrenstrasse (heute Anton-Wilhelm-Amo-Strasse), in dem Gunter Schabowski am 9. November 1989 seine historische Pressekonferenz gab und dabei versehentlich die Offnung der Berliner Mauer verkundete. Das Gebaude diente wahrend des gesamten Kalten Krieges als offizielles Pressezentrum der DDR fur auslandische Korrespondenten.

Das Gebaude in der Mohrenstrasse 36/37, bekannt als „Haus Stern“, wurde 1901 vom Architekten Carl Bauer fur das Bekleidungsunternehmen der Familie Stern entworfen. In der DDR wurde es zum Internationalen Pressezentrum (IPZ) — dem offiziellen Ort, an dem in Ost-Berlin akkreditierte auslandische Korrespondenten an Regierungsbriefings und Pressekonferenzen teilnahmen. Uber Jahrzehnte war es einer der wenigen Orte, an denen westliche Journalisten kontrollierten Zugang zu DDR-Funktionaren hatten.

Gunter Schabowski auf der Pressekonferenz, die die Berliner Mauer offnete, 9. November 1989

Gunter Schabowski auf der Pressekonferenz, die die Berliner Mauer offnete, 9. November 1989 (Foto: Bundesarchiv)

Am Abend des 9. November 1989 wurde dieser Raum zum Schauplatz eines der folgenreichsten Momente der neueren Geschichte. Um 18:53 Uhr begann SED-Sprecher Gunter Schabowski eine Routinepressekonferenz. Kurz bevor er vor die Kameras trat, hatte ihm Parteichef Egon Krenz ein Blatt mit neuen Reiseregelungen in die Hand gedruckt — mit den Worten: „Das wird die Weltnachricht.“ Schabowski hatte die fruhere Besprechung uber die Regelungen verpasst und wusste nicht, dass sie erst am nachsten Tag in Kraft treten sollten, mit geordneter Bearbeitung bei den Grenzbehorden.

Gegen Ende der Konferenz verlas Schabowski den Zettel: DDR-Burger durften frei reisen, auch uber alle Grenzubergange nach West-Berlin und in die Bundesrepublik. Als ein Journalist fragte, ab wann die neue Regelung gelte, stockte Schabowski, blatterte in seinen Papieren und antwortete: „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzuglich.“

Das westdeutsche Fernsehen ubertrug den Austausch in den Abendnachrichten, die auch in der DDR empfangen wurden. Innerhalb weniger Stunden machten sich Tausende Ost-Berliner auf den Weg zu den Grenzubergangen. Um 23:30 Uhr traf Stasi-Offizier Harald Jager, uberwaltigt von der wachsenden Menschenmenge, die Entscheidung, die Schlagbaume an der Bornholmer Strasse zu offnen — der erste Ubergang, der geoffnet wurde. Um Mitternacht waren alle Ubergange von Menschen uberflutet. Die Mauer war gefallen.

Das Gebaude gehort heute zum Bundesministerium der Justiz und wurde umfassend saniert. Der ursprungliche Presseraum existiert nicht mehr — er wurde bei der Umgestaltung in ein Lichthofatrium umgewandelt. Das Rednerpult, an dem Schabowski die Nachricht verlas, die die Geschichte veranderte, befindet sich heute im Haus der Geschichte in Bonn. Eine Kunstinstallation von Ulrich Schroeder, „Die Verkundung der Reisefreiheit“, mit Stuhlreihen und Gedenktafeln erinnert im ehemaligen Eingangsbereich an das Ereignis. Die Strasse wurde im August 2025 von Mohrenstrasse in Anton-Wilhelm-Amo-Strasse umbenannt — zu Ehren des ersten bekannten deutschen Gelehrten afrikanischer Herkunft.

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