Schauplatz zweier der waghalsigsten Fluchten über die Berliner Mauer. Am 31. März 1983 kletterte Holger Bethke auf ein Dach nahe dem Treptower Park, schoss einen Pfeil mit einer Nylonschnur über die Mauer, zog ein Stahlseil herüber und glitt an einer selbstgebauten Holzrolle über den Todesstreifen. Sechs Jahre später, am 26. Mai 1989, flogen seine Brüder Ingo und Holger mit zwei Ultraleichtflugzeugen nach Ost-Berlin und landeten um 4:15 Uhr morgens im Treptower Park, um ihren jüngsten Bruder Egbert abzuholen. Sie flogen über die Mauer zurück und landeten vor dem Reichstag. Ihr ältester Bruder Ingo war bereits 1975 auf einer Luftmatratze über die Elbe in den Westen geschwommen.
Die Brüder Bethke – Ingo, Holger und Egbert – flohen bei drei verschiedenen Gelegenheiten mit drei immer waghalsigeren Methoden aus der DDR und wurden so zu einer der bekanntesten Fluchtgeschichten des Kalten Krieges.
Die Berliner Mauer entlang der Lohmühlenstraße in Treptow, 1987 (Foto: Roehrensee)
Der älteste Bruder, Ingo, floh als Erster. Am 22. Mai 1975 schlüpfte er – er hatte die Grenzanlagen als Wehrpflichtiger studiert – durch eine Lücke im Zaun, durchquerte ein Minenfeld und schwamm auf einer aufblasbaren Luftmatratze über die Elbe nach Niedersachsen.
Acht Jahre später, am 31. März 1983, fand Holger Bethke eine Stelle nahe dem Treptower Park, an der der Todesstreifen schmal war und auf beiden Seiten hohe Gebäude standen. Er stieg auf ein Dach, schoss einen Pfeil mit einer Nylonschnur über die Mauer, und sein Bruder Ingo – bereits sicher im Westen – knotete sie an ein Stahlseil. Holger zog das Seil straff, befestigte es an einem Schornstein und nutzte eine selbstgebaute Holzrolle, um über die Mauer und die schlafenden Grenzsoldaten hinweg in die Freiheit zu gleiten.
Die dramatischste Flucht gelang am 26. Mai 1989 – nur wenige Monate vor dem Mauerfall. Ingo und Holger verkauften ihre Kneipe in Köln, um zwei Ultraleichtflugzeuge vom Typ Ikarus C22 zu kaufen. Um 4:15 Uhr morgens flogen sie die kleinen Maschinen über die Grenze und landeten im Treptower Park, wo sich ihr jüngster Bruder Egbert in den Büschen versteckt hielt. Er stürzte zu den wartenden Flugzeugen, und alle drei flogen über die Mauer zurück und landeten vor dem Reichstag in West-Berlin. Die gesamte Aktion dauerte weniger als zehn Minuten.
Ehemalige Grenzgebietsmarkierung in der Lohmühlenstraße 35, Alt-Treptow – nahe der Stelle, an der die Brüder Bethke die Mauer überquerten (Foto: Assenmacher)