Diese Backsteinkirche im Prenzlauer Berg war im Herbst 1989 das Zentrum der Friedlichen Revolution in Berlin – der Ort, an dem die Opposition der Stadt sichtbar wurde und an dem der DDR-Staat zum letzten Mal Massengewalt gegen die eigene Bevoelkerung einsetzte.
Am 2. Oktober 1989 eroeffneten Aktive des Weissenseer Friedenskreises, der Umwelt-Bibliothek und der Kirche von Unten hier eine Mahnwache rund um die Uhr unter dem Motto „Wachet und betet“. Ein Kontakttelefon im Gemeindehaus sammelte Meldungen ueber Verhaftungen aus dem ganzen Land und gab sie an westliche Journalisten weiter – eine improvisierte Nachrichtenagentur in einer Kirche. Am 4. Oktober kamen dreitausend Menschen zu den Abendandachten, der Vorplatz war von brennenden Kerzen bedeckt.
In der Nacht zum 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der DDR, schlugen Bereitschaftspolizei und Stasi-Einheiten in den Strassen rund um die Kirche auf Demonstranten ein und nahmen sie fest; vor der Kirche standen Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge. In zwei Naechten wurden in Ost-Berlin mehr als tausend Menschen festgenommen. Am 23. Oktober stellten Oppositionsgruppen von hier aus der internationalen Presse einen hundertseitigen Bericht ueber die Polizeigewalt vor. Die ganze Geschichte steht in unserem Artikel Die Friedliche Revolution in Berlin.
Die Gethsemanekirche ist bis heute Gemeindekirche und Konzertort. Eine Gedenktafel und Karl Biedermanns Flachrelief Widerstand erinnern an den Herbst 1989. Vor dem Westportal steht der Segnende Christus aus der Versoehnungskirche – jener Kirche im Todesstreifen, die die DDR 1985 sprengen liess – sowie Ernst Barlachs Bronze Geistkaempfer, 1994 vom Land Berlin zu Ehren der demokratischen Bewegung aufgestellt.
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