Am 4. November 1989 fuellten zwischen zweihunderttausend und einer halben Million Menschen den Alexanderplatz – die groesste Demonstration in der Geschichte Berlins und die groesste nicht staatlich organisierte Versammlung in den vierzig Jahren der DDR. Fuenf Tage spaeter fiel die Mauer.
Es war zugleich die erste von Privatpersonen angemeldete und behoerdlich genehmigte Demonstration der DDR-Geschichte. Den Antrag hatte am 17. Oktober Wolfgang Holz gestellt, Schauspieler am Berliner Ensemble. Die Veranstalter organisierten den Ordnerdienst selbst und trugen gelbe Schaerpen mit der Aufschrift „Keine Gewalt“. Im Palast der Republik standen bewaffnete Kraefte bereit, die SED sperrte die Wege Richtung Mauer – der Zug lief trotzdem: Sammlung an der Mollstrasse, vorbei am Palast und am Staatsratsgebaeude, dann auf den weiten Platz.
Sechsundzwanzig Menschen sprachen, und das DDR-Fernsehen uebertrug live – ebenfalls ein Novum. Stefan Heym eroeffnete: „Es ist, als habe einer die Fenster aufgestossen.“ Christa Wolf spielte auf die Antikriegsparole an: „Stell dir vor, es ist Sozialismus, und keiner geht weg!“ Die 81-jaehrige Schauspielerin Steffie Spira schlug vor, die Politbuero-Siedlung Wandlitz in ein Altersheim zu verwandeln. Als der frueherere Chef der Stasi-Auslandsaufklaerung Markus Wolf ans Mikrofon trat, pfiff ihn die Menge aus.
Gefordert wurden Reformen, nicht die Wiedervereinigung: freie Wahlen, Pressefreiheit, ein Ende der Ueberwachung, eine neue Verfassung. Es hiess „Wir sind das Volk“ – noch nicht „Wir sind ein Volk“. Ein Denkmal erinnert heute nicht an die Demonstration; der Alexanderplatz wurde zu oft umgebaut. Die ganze Geschichte steht in unserem Artikel Die Friedliche Revolution in Berlin.
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