Schätzungsweise rund 5.000 Menschen überquerten die Berliner Mauer zwischen 1961 und 1989 erfolgreich.
Die Fluchtmethoden waren außerordentlich vielfältig und oft einfallsreich. In den frühen Tagen, als die Mauer noch aus Stacheldraht und Hohlblocksteinen bestand, sprangen Menschen aus Gebäuden an der Bernauer Straße, deren Haustüren nach Westen öffneten. Andere schwammen durch Kanäle, krochen durch die Kanalisation oder sprinteten einfach durch Lücken in den Befestigungen.
Als die Mauer ausgefeilter wurde, wurden auch die Fluchten raffinierter. Menschen bauten Tunnel – die berühmtesten waren der Tunnel 57 (57 Flüchtlinge 1964) und der Tunnel 29 (29 Flüchtlinge 1962, von NBC gefilmt). Andere versteckten sich in umgebauten Autos mit Geheimfächern, bauten Heißluftballons oder nutzten zwischen Gebäuden gespannte Seilbahnen.
Einige der waghalsigsten Fluchten betrafen Fahrzeuge. 1963 fuhr ein DDR-Soldat mit einem Schützenpanzer direkt durch die Mauer. Andere bauten Kleinwagen so um, dass sie unter den Schranken an Grenzübergängen hindurchpassten.
Der Einfallsreichtum der Fluchtversuche ist ausführlich im Mauermuseum am Checkpoint Charlie dokumentiert, das viele der tatsächlich verwendeten Hilfsmittel ausstellt – darunter einen umgebauten Koffer, ein ausgehohltes Surfbrett und die Gondel eines selbstgebauten Heißluftballons.
Nicht alle Versuche endeten glücklich. Mindestens 138 Menschen starben beim Versuch, die Mauer zu überqueren, und viele weitere wurden verletzt, gefasst oder inhaftiert. Die DDR-Regierung verurteilte die beim Fluchtversuch Ertappten zu Jahren der Zwangsarbeit.