Entlang der Niederkirchnerstraße, zwischen dem Martin-Gropius-Bau und dem Dokumentationszentrum Topographie des Terrors, verläuft ein 200 Meter langer erhaltener Abschnitt der Berliner Mauer. Es ist einer der längsten noch erhaltenen originalen Abschnitte der Hinterlandmauer im Zentrum Berlins und zeigt die Spuren der Souvenirjäger, die nach dem Mauerfall Stücke herausschlugen.
Anders als die East Side Gallery, die die zum Westen gewandte äußere Mauer bewahrt, war dieser Abschnitt die rückwärtige Mauer – die Hinterlandmauer -, die nach Ost-Berlin gerichtet war und den Todesstreifen zur östlichen Seite hin abriegelte. Dieser Unterschied ist bedeutsam: Die meisten Berlin-Besucher sehen die bunt bemalte äußere Mauer, doch der Abschnitt an der Niederkirchnerstraße zeigt die Mauer so, wie die Ost-Berliner sie erlebten – grau, abweisend und fensterlos.
Der erhaltene Mauerabschnitt entlang der Niederkirchnerstraße, dahinter das Gelände der Topographie des Terrors (Foto: OTFW, Berlin)
Die Niederkirchnerstraße markierte bis 1989 die genaue Grenze zwischen Berlin-Mitte (Ost-Berlin) und Kreuzberg (West-Berlin). Die Straße wurde 1951 von Prinz-Albrecht-Straße in Niederkirchnerstraße umbenannt, nach Käthe Niederkirchner, einer kommunistischen Widerstandskämpferin, die im Konzentrationslager Ravensbrück ums Leben kam.
Das Mauersegment steht auf dem Gelände der Topographie des Terrors, die die Geschichte des NS-Terrorapparats dokumentiert – Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt hatten allesamt ihre Zentralen in dieser Straße. Das Nebeneinander von NS- und Kalter-Kriegs-Geschichte an einem Ort macht dies zu einem der historisch vielschichtigsten Orte Berlins.
Nahaufnahme mit freiliegender Bewehrung und Schäden durch Mauerspechte, die nach 1989 Stücke herausschlugen (Foto: Marek Mróz)
Die Mauer ist hier als historisches Denkmal geschützt. Anders als rekonstruierte oder versetzte Mauersegmente, die anderswo in der Stadt zu finden sind, steht dieser Abschnitt an seinem ursprünglichen Standort und ist damit ein authentisches Überbleibsel der Grenzanlagen.
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