Als wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen den West-Berliner Sektoren – obwohl er sich vollständig im sowjetisch besetzten Ost-Berlin befand – waren die unterirdischen U- und S-Bahn-Anlagen nur für West-Berliner Reisende zum Umsteigen oder zum Zugang des Grenzübergangs im Erdgeschoss geöffnet.
In der Nähe: Der Tränenpalast (Reichstagufer 17), eine Dauerausstellung über den Alltag im geteilten Berlin, befindet sich heute im ehemaligen Grenzübergang.
Obwohl er vollständig in Ost-Berlin lag, waren die unterirdischen U-Bahn- und S-Bahn-Bahnsteige des Bahnhofs nur für West-Berliner Fahrgäste zugänglich, die zwischen den Linien umsteigen oder ins Erdgeschoss hinaufsteigen konnten, um die Grenze zu überqueren. Ost-Berlinern war das Betreten dieser unterirdischen Bereiche untersagt, was einen surrealen geteilten Bahnhof schuf, in dem zwei Bevölkerungsgruppen dasselbe Gebäude nutzten, sich aber niemals begegnen konnten.
Passkontrolle am Bahnhof Friedrichstraße 1964 (Foto: Bundesarchiv)
Der Grenzübergang im Erdgeschoss war einer der am strengsten kontrollierten in Berlin. Reisende durchliefen ein Labyrinth aus engen Korridoren, Passschaltern und Zollkontrollen, das darauf ausgelegt war, einzuschüchtern und zu verwirren. Die angeschlossene Abfertigungshalle, bekannt als Tränenpalast, war der Ort, an dem DDR-Bürger sich unter Tränen von West-Verwandten verabschiedeten, nie sicher, wann – oder ob – sie sich wiedersehen würden.
Der Bahnhof Friedrichstraße war auch ein zentraler Knotenpunkt im Netz der Geisterbahnhöfe: Züge der U6 und der Nord-Süd-S-Bahn fuhren durch versiegelte Bahnhöfe in Ost-Berlin, ohne zu halten, außer hier, wo sie nur kurz für die Grenzformalitäten hielten. Heute ist der Bahnhof wieder ein normaler Verkehrsknotenpunkt, doch der Tränenpalast nebenan beherbergt eine kostenlose Dauerausstellung über den Alltag im geteilten Deutschland.
Bahnsteig B: S-Bahn in den Westen (Foto: Frits Wiarda)
Menschenmengen warten einen Tag nach dem Mauerfall auf den Übergang nach West-Berlin (Foto: Bundesarchiv)