Hasso Herschel, einer der bekanntesten Berliner Fluchthelfer, ist am 21. Mai 2026 bei Melzow in der Uckermark nördlich von Berlin gestorben. Er wurde 91 Jahre alt. Die Stiftung Berliner Mauer, die ein ausführliches Zeitzeugeninterview mit ihm führte und bei deren Veranstaltungen er regelmäßig zu Gast war, teilte seinen Tod mit den Worten mit: „Wir werden ihn und sein Engagement nicht vergessen.“
Geboren wurde er am 15. März 1935 in Dresden. Mit achtzehn nahm er an den Demonstrationen des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 teil und wurde dafür von der Oberschule verwiesen. 1955 wurde er bei einem Besuch seiner Eltern in Dresden verhaftet und wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen zu fünf Jahren Arbeitslager verurteilt. Im Oktober 1961, zwei Monate nach der Abriegelung der Grenze, verließ er die DDR mit einem für ihn präparierten Schweizer Pass.
Ein Jahr später grub er sich zurück. Der Tunnel 29 führte auf rund 135 Metern vom Keller einer stillgelegten Fabrik an der Bernauer Straße im Westen zu einem Haus in der Schönholzer Straße im Osten. Am 14. September 1962 kamen 29 Menschen hindurch – unter ihnen Herschels Schwester Anita und ihre Familie. Ein Fernsehteam von NBC filmte den Grabungsverlauf und die Flucht; daraus entstand der Emmy-prämierte Dokumentarfilm The Tunnel, und der Verkauf der Rechte half, die Arbeit zu finanzieren.
Nach Angaben der Stiftung war er an insgesamt drei Tunneln beteiligt. Nach eigener Schilderung verhalf er über etwa ein Jahrzehnt rund 1.000 Menschen zur Flucht aus der DDR – durch Tunnel, in Autos mit Hohlräumen, darunter ein Cadillac, und mit getauschten Pässen ähnlich aussehender Personen. 2012 erhielt er gemeinsam mit vierzehn weiteren Fluchthelfern das Bundesverdienstkreuz, seit 2019 war er Ehrenmitglied der Berliner Unterwelten. Später betrieb er ein Restaurant in Berlin und lebte ab 1994 in der Uckermark.
In der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße ist der Verlauf des Tunnels 29 oberirdisch markiert; man kann seine Länge über den ehemaligen Grenzstreifen ablaufen. Näher kommt man ihm heute nicht.
Quellen: Stiftung Berliner Mauer, deutsche Presseberichte.