Rabbit a la Berlin (2009) ist ein polnischer Dokumentar-Kurzfilm, der die überraschende Geschichte der wilden Kaninchen erzählt, die sich im Todesstreifen zwischen den beiden Mauern der Berliner Mauer ansiedelten und in einem unbeabsichtigten Paradies ohne Raubtiere und menschliche Störung lebten.
| Jahr | 2009 |
|---|---|
| Regisseur | Bartek Konopka |
| Genre | Dokumentation |
| Sprache | Polnisch |
| IMDb |
Durch Archivmaterial und Erzählung folgt der Film einer Kaninchenkolonie, die den Todesstreifen entlang der Berliner Mauer besiedelte. Der Grasstreifen zwischen innerer und äusserer Mauer, angelegt um Grenzwächtern freie Sicht auf Flüchtende zu geben, wurde zu einem unbeabsichtigten Naturschutzgebiet. Die Kaninchen vermehrten sich ungestört, geschützt vor Autos, Hunden und Jägern durch genau jene Befestigungen, die Menschen gefangen halten sollten. Der Film verfolgt ihre Geschichte vom Mauerbau bis zum Mauerfall, als die Kaninchen plötzlich einer Welt ohne Grenzen gegenüberstanden — und ohne Schutz.
Der gesamte Film handelt von der Berliner Mauer, betrachtet aus einer einzigartigen und unerwarteten Perspektive. Indem er die Geschichte der Mauer durch die Augen ihrer tierischen Bewohner erzählt, bietet der Dokumentarfilm eine frische Meditation über Freiheit, Gefangenschaft und die unbeabsichtigten Folgen politischer Barrieren. Die Kaninchen dienen als Allegorie: Wesen, die in der Gefangenschaft gediehen, nur um neuen Bedrohungen ausgesetzt zu sein, als diese Gefangenschaft endete. DDR-Grenzsoldaten fütterten die Kaninchen Berichten zufolge, und ihre Anwesenheit wurde in Überwachungsaufnahmen dokumentiert, die die Filmemacher aus Archiven beschafften.
Regisseur Bartek Konopka stellte den Film aus DDR-Grenzüberwachungsaufnahmen, westdeutschen Nachrichtensendungen und neuem Filmmaterial der modernen Berliner Kaninchenpopulation zusammen. Der polnische Originaltitel lautet „Królik po berlinsku.“ Der 40-minütige Dokumentarfilm wurde von der polnischen Produktionsfirma Platige Image mit Unterstützung des Polnischen Filminstituts produziert. Die Erzählung wird mit trockenem Humor vorgetragen, wobei die Geschichte der Kaninchen wie eine parallele Nationalgeschichte behandelt wird.
Rabbit a la Berlin wurde 2010 für den Oscar als bester Dokumentar-Kurzfilm nominiert und lenkte internationale Aufmerksamkeit auf diese kuriose Fussnote der Kalten-Krieg-Geschichte. Der Film gewann zahlreiche Festivalpreise und wurde dafür gelobt, einen völlig originellen Blickwinkel auf eine vielfach erzählte Geschichte gefunden zu haben. Er bleibt einer der kreativsten und einprägsamsten Dokumentarfilme über die Berliner Mauer und beweist, dass selbst die am besten dokumentierten historischen Ereignisse noch überraschende Geschichten bergen können.