Reiseführer

Halbtagestour: Stasi und Überwachung

1 Mai , 2026  

Diese Halbtagestour führt zu den beiden Orten, an denen die Überwachungs- und Unterdrückungsmaschinerie der Stasi am eindringlichsten erhalten ist: das Ministeriumsgebäude, von dem aus Erich Mielke sein Spionageimperium leitete, und das geheime Untersuchungsgefängnis, in dem politische Häftlinge durch psychologische Folter gebrochen wurden. Beide befinden sich im Nordosten Berlins und sind durch eine kurze Straßenbahnfahrt miteinander verbunden. Planen Sie 4-5 Stunden einschließlich Anfahrt und Führungen ein.

Ideal für: Alle, die sich für die menschlichen Kosten des Überwachungsstaates, die Mechanismen autoritärer Kontrolle und Geschichten individuellen Widerstands interessieren. Beide Orte sind auf unserer interaktiven Karte verzeichnet.

Station 1: Stasi-Museum – im Inneren der Maschinerie

Das Stasi-Museum befindet sich in Haus 1 der ehemaligen Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit in der Normannenstraße. Auf dem Höhepunkt beschäftigte die Stasi rund 91.000 hauptamtliche Mitarbeiter und über 170.000 Informanten, um 16 Millionen Bürger zu überwachen – eine der umfassendsten Überwachungsoperationen der Geschichte.

Im zweiten Stock können Sie das erhaltene Büro von Minister Erich Mielke betreten, unverändert seit November 1989 – Holzvertäfelung, blaue Möbel, mehrere Telefone und seine rote Aktentasche mit Unterlagen über seinen eigenen Vorgesetzten Erich Honecker. Drei Etagen mit Exponaten zeigen als Gießkannen getarnte Überwachungskameras, in Gläsern aufbewahrte Körpergeruchsproben zur Verfolgung durch Hunde und Geräte der Postabteilung, die täglich bis zu 90.000 Briefe öffnete, fotografierte und wieder versiegelte.

Am 15. Januar 1990 stürmten Demonstranten dieses Gebäude und machten es erstmals seit Jahrzehnten der Öffentlichkeit zugänglich. Planen Sie etwa 90 Minuten ein.

Anfahrt: U5 bis Magdalenenstraße, dann 5 Minuten zu Fuß nach Norden zur Rüschestraße 103.

Weiter zu Station 2: Straßenbahn M5 oder M6 ab Frankfurter Allee Richtung Hohenschönhausen (ca. 25 Minuten). Informieren Sie sich vorab über die Führungszeiten – der Eintritt ist nur im Rahmen einer Führung möglich.

Station 2: Hohenschönhausen – das verborgene Gefängnis

Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen ist das ehemalige zentrale Untersuchungsgefängnis der Stasi, das jahrzehntelang in einem militärischen Sperrgebiet verborgen lag, das auf keinem Stadtplan verzeichnet war. 1945 als sowjetisches NKWD-Lager errichtet, übernahm die Stasi es 1951. Über 11.000 Menschen wurden hier in den folgenden vier Jahrzehnten aus politischen Gründen inhaftiert.

Frühe Gefangene erlitten körperliche Gewalt; ab den 1960er Jahren hatte die Stasi ihre Methoden zur psychologischen Zerstörung verfeinert – totale Isolation, Schlafentzug, fensterlose Zellen unter Kunstlicht und Drohungen gegen Familienangehörige. Ziel war es, Menschen zu brechen, ohne Spuren zu hinterlassen.

Führungen, oft geleitet von ehemaligen Häftlingen, die ihre Erlebnisse genau in den Räumen schildern, in denen sie festgehalten wurden, finden mehrmals täglich auf Englisch statt. Sie werden das „U-Boot“ sehen – die feuchten, dunklen sowjetischen Kellerzellen – und den späteren Stasi-Trakt mit seinen klinischen Korridoren und Verhörräumen, die zur Desorientierung konzipiert waren. Es ist ein unbequemer, aber unerlässlicher Besuch, der alles, was Sie zuvor gesehen haben, in den menschlichen Kosten des Überwachungsstaates verankert. Planen Sie etwa 90 Minuten für die Führung ein.

Praktische Hinweise

  • Gesamtdauer: 4-5 Stunden einschließlich Anfahrt und Besichtigung.
  • Buchen Sie die Führungen in Hohenschönhausen online im Voraus, insbesondere für englischsprachige Termine. Die Führungen finden zu festen Zeiten statt.
  • Das Stasi-Museum ist täglich geöffnet; Hohenschönhausen ist nur im Rahmen einer Führung zugänglich (keine Einzelbesuche).
  • Ein Berlin-AB-Ticket deckt alle Fahrten auf dieser Route ab.
  • Diese beiden Orte ergänzen sich ideal: Das Stasi-Museum zeigt, wie das System von oben funktionierte, und Hohenschönhausen zeigt, was es mit Einzelpersonen anrichtete.
  • Für Spionageorte in der Berliner Innenstadt siehe unseren Rundgang durch die Berliner Innenstadt. Für die westlichen Außenposten siehe Westliche Spionageposten. Oder kombinieren Sie alle fünf in unserer Ganztagestour: Kalter Krieg – Spionagepfad.
  • Alle Orte finden Sie auf unserer Orte-Seite oder der interaktiven Karte.

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